Antiquitäten Hasenstab

Holzschwund oder Rissbildung

Holz arbeitet...! Wie und weshalb?

Der übliche Möbelwerkstoff der vergangenen Epochen bis in unsere Zeit war und ist Holz. In neuerer Zeit hat man jedoch um evtl. Reklamationen vorzubeugen und um wertvolle Ressourcen zu schonen weitgehend die Massivbauweise von Holz vermieden.

Bei Antiquitäten ist jedoch grundsätzlich von einer massiven Bauweise auszugehen. Ein Sonderfall stellt die Furnier-

technik dar; hierbei wurde auf ein massiv verarbeitetes Blindholz (meistens Weichholz, selten Eichenholz), eine dünne Edelholzschicht (z. Bsp. Kirsche, Nuss, Mahagoni, Palisander, Rosenholz) aufgeleimt. 

Wie kommt es nun aber zu dem Problem, dass sich das Holz verändert und sich manchmal nicht so verhält wie man es erwartet und vorausberechnet hat?

Zunächst ist zu erklären, dass das Stammholz am lebenden Baum die Nährstoff- bzw. Wasserversorgung für das ganze Blattwerk und der hier stattfindenden Photosynthese übernehmen muss. Dazu ist die Struktur des Holzes mit vielen wasserführenden Kapillaren aufgebaut, die sich vom Wurzelwerk über den Stamm der Länge nach bis in die Baumkrone hinziehen. Beim späteren Trocknen von eingeschlagenem Holz ist zu beachten, dass die Trocknungszeit der Kapillarstruktur eingehalten wird. Erst danach geben die Holzzellen gebundenes Wasser aus ihren Zellwänden frei. Dieser Prozess lässt die Zellstrukturen kleiner werden. Diese Schrumpfung der Zellwände durch Wasserverlust führt nun zu einem Phänomen, welches allgemein als „arbeiten des Holzes“ bekannt ist. Genauer gesagt handelt es sich um ein Schwinden (beim Trocknen) bzw. Aufquellen (bei Feuchteaufnahme) der Holzzellwände, welches sich hauptsächlich im Breitenmaß und nur marginal im Längenmaß zeigt.

Da man aus Gründen von Steifigkeit und Verwindungsfestigkeit, aber auch rationeller bzw. materialsparender Bauweise oft die Wuchsrichtungen der einzelnen Brettteile quer zueinander verarbeitet hat, entstehen beim „Arbeiten“ des Holzes Verspannungen. Außerdem sind die inneren und die aüßeren Baumbestandteile von unterschiedlicher Eigendynamik und daher zusätzlich ungleichen Maßänderungen unterworfen. Wenn sich nun diese Maßänderungen ausgleichen können, dann wird diese Bewegung des Holzes nicht bemerkt werden (z. Bsp. bei einem Türrahmen mit eingenuteter Füllung). Jedoch kann sich der gleiche physikalische Vorgang des Holzschwundes im nachfolgenden Fall ganz anders auswirken: Eine Kommodendeckelplatte, welche von unten fest auf einen Rahmen geleimt wurde, wird im Falle von eintretendem Schwund einen teilweisen oder völlig durchgehenden Riss erhalten. Während dieser Schaden bei einem Weichholzmöbel meistens gut zu beheben ist, kann der gleiche Schaden bei einer kreativ gesetzten Furnieroberfläche (evtl. mit Intarsien) schon ein richtig aufwändiger Restaurationsfall sein.

Die Vermeidung des Problems, liegt in einer Konstanthaltung der relativen Luftfeuchte in den Räumlichkeiten. Denn der ständige Ausgleich der relativen Holzfeuchte mit der umgebenden Luftfeuchte kann nicht verhindert werden. Aber man kann die Umgebungsfeuchte auf einem Niveau halten, welches ein merkliches Schwinden des Holzes nicht mehr hervorruft. Eine ausreichende rel. Luftfeuchte (im übrigen auch für menschliches Wohlbefinden der Nasenschleimhäute), liegt im Bereich zwischen 40-60%. Wenn man diesen Wertebereich auch im Winter sicherstellt, ggf. durch ein elektronisches Klimagerät, dann sind Schäden durch das Arbeiten im Holz weitgehend unwahrscheinlich.