Antiquitäten Hasenstab

Antiquitäten Fälschungen

Original oder Fälschung?

Althochdeutsch: [ kundo ] : kundig sein, der Kunde

Themen:

1. Repromöbel

2. "aufgewertete Antikmöbel" --> Umbau

3. Umbau von Billigschrank zu Zerlegerschrank

4. Nachträgliches Furnieren

 

Das Wort Kunde hat in früheren Epochen eine erheblich weitere Begrifflichkeit besessen, als es heute der Fall ist. Verstand man darunter doch eine Person, welche sich in einem bestimmten Themenbereich oder Sachstand, sehr gut auskannte und den Erwerb eines bestimmten Gutes dieser Sparte anstrebte. Dabei begegneten sich die beiden beteiligten Parteien ( zum einen der Verkäufer oder der Händler, als auch der Interessierte Kunde) auf gleicher Augenhöhe, was deren Informationen oder Kenntnisse über die Kaufsache anbelangte.

In unserer schnelllebigen Zeit, in der dem „jetzt und hier“ so große Bedeutung zukommt, verbleibt dem Kunden kaum mehr die Zeit, sich „kundig“ zu machen. Der Verkäufer hat dadurch einen erheblichen Kenntnis- und Wissensvorteil an der beabsichtigten Kaufsache. So ist es also für einen moralisch schwachen Verkäufer nur zu leicht, einen unwissenden Kunden zu täuschen. 

 

1. Repromöbel:

Nun hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten eine starke Repromöbel – Industrie etablieren können, die zumeist aus Polen, Tschechien, Ungarn und neuerdings selbst aus der Ukraine stammt. Dort werden zum einen Teil aus neuen Hölzern antik aussehende Möbel hergestellt, als auch zum anderen Teil aus altem Holz neues „antikisiertes“ Möbel gebaut. Es versteht sich von selbst, das an diesem Umstand an sich nichts negatives festzustellen bleibt, solange – ( und hier beginnt nun das Problem …..) die Neubauten von anno 2007 auch deutlich als Kopien alter Antiquitäten bezeichnet werden. Fehlt dieser Hinweis , oder wird Antikes und Neues allzu sehr vermischt in einer Ausstellung präsentiert, wird sich ein „unkundiger“ Interessent nicht mehr zweifelsfrei entscheiden können.

Im ungünstigsten Fall wird der Käufer auf seine Anfrage bezüglich der Orginalität von der jungen Verkäuferin die Antwort erhalten, dass „sie über die Restaurationsmaßnahmen leider nicht Bescheid wisse.“ 

 

2. "aufgewertete Antiquitäten" --> Umbau

Wenn man zum oben genannten noch anmerken kann, das man ein gänzlich neu gebautes Möbel eigentlich an der allgemeinen Passgenauigkeit der Sägeschnitte, und an der Oberflächenfarbe ( Beizen ) noch erkennen müsste, wird es hingegen bei „aufgewerteten“ Möbeln schon richtig schwer. Dabei handelt es sich um originale Antiquitäten welche aber zur Verkaufsförderung substanziell verändert wurden. Entweder dahingehend, dass man Schränke in ihrer Tiefe kürzt und daraus einen schmalen Bücherschrank ( da im Original selten! ) zimmert, oder dass man einen Schrank zur Vitrine oder Glasschrank umarbeitet. Beliebt bei „Umbau & Co.“ sind natürlich Säulen, die an keiner Kommode fehlen dürfen. Der Gipfel dieser Dreistigkeit sind jedoch die angeblich „originalen Eckvertikos“ auf die immer wieder Kunden reinfallen. 

Wie bereits erwähnt ist an diesen Umbauten nichts auszusetzen, wenn dem Kunden beim Kauf reiner Wein eingeschenkt wurde. Wir meinen aber, den Finger in diese Wunde legen zu müssen, weil wir schon oft in entsetzte Augen von Kunden geblickt haben, wenn diesen klar wurde, dass der Schnäppchen – oder Seltenheitskauf von einst nichts als Täuschung war. 

 

3. Vom Billigschrank zum Zerlegerschrank:

Der früher leicht erkennbare Mangel eines einfachen Bauernschrankes aus den Osteuropäischen Ländern war die feste Bauweise. D.h. alle Teile eines Schrankes (ausgenommen die Türen) mußten aus Stabilitätsgründen fest zueinander verleimt werden. Da hierdurch der Nachteil eines sperrigen, schweren Möbels entsteht, werden diese Schränke heute nachträglich zu 'Zerlegerschränken' umgebaut, so dass man die Herkunft und Restauration aus Ungarn oder Ukraine damit verschleiert.

 

4. Nachträgliches furnieren:

Eine besonders arglistige Täuschung stellt das nachträgliche Furnieren als Edelholzmöbel dar. Hierbei wird ein originales (relativ häufiges) Weichholzmöbel in einem preisgünstigen Ostland (zumeist Ukraine) mit einem Edelholzfurnier (Kirschbaum, Nussbaum,) aufgewertet und hierdurch im erzielbaren Verkaufspreis vervielfacht. Als normaler Kunde ist dies sicherlich nicht zu durchschauen und zusätzlich ist der Preis kaufpsychologisch günstig veranschlagt. Natürlich hat das mit einer Antiquität (als Entstehungsjahr 2013) nichts mehr gemeinsam. Da der Betrug jedoch nicht erkannt wird, ist dies eine verlockende, sehr gut bezahlte Investition für manchen (großen) Händler.

Unser Rat an jeden Interessenten, der selbst nicht das Wissen mitbringt: Fordern Sie stets eine detaillierte Expertise ( Achtung: Keine vorgedruckte Etiketten!) mit ausführlicher Beschreibung inkl. Fotos beim Kaufabschluss. Wer dazu als Händler nicht in der Lage ist oder sich etwas anstellt, verdient nicht das Vertrauen Ihr Geld anzunehmen.