

Barockkommode, Würzburg,
um 1720eingetroffen 20.07.2010
Kurzbericht: Barockstil
Erscheinungsmerkmale:
In den beiden ersten Abschnitten von Früh- und Hochbarock herrscht eine allgemeine Symmetrie in der Vertikalen vor. Die Grundformen sind kantig und haben als Ornamentik das Knorpelwerk, später hinzu kommendes Bandelwerk und das Akanthusblatt las Motivvariationen. Als optisch tragende Stilbauteile finden wuchtige Säulen (auch in gewundener Ausführung) oder Pilaster Anwendung. Diese stehen jeweils auf Basen und enden in verschnitzten Kapitellen (meist als korinthisches oder auch dorisches Vorbild).
In der Spätphase des Barock, dem so genannten Rokoko löst sich die vertikale Achsensymmetrie stark auf. Als dominantes Stilmerkmal bildet sich die Rocaille (=Muschel )
heraus. Diese wird in übersteigerter Form meist als Bekrönungselement verwendet. Weiterhin erhält die Außenform des Korpusses nun Schwung und Bogen in die Fläche hinein. Rokoko-Möbel wirken sehr verspielt und detailliert gestaltet. Das Aufbrechen, oder die Auflösung der begrenzenden Oberfläche war Ziel dieser Formensprache.
Soziokultureller Hintergrund:
Die Stilepoche des Barock löst diejenige der Renaissance ab und gliedert sich in drei Abschnitte. Die erste Phase beginnt etwa mit dem 17. Jh. Und dauert ca. bis in die Mitte dieses Jahrhunderts (regional abhängig). Im Anschluss daran, tritt die rund hundertjährige Epoche des Hochbarock. In dieser langen Zeitspanne entwickelten sich die Möbelfassaden sowohl landestypisch (vgl. Deutschlands Splitterstaatentum) als auch verwendungsspezifisch in sehr differenzierten Erscheinungen. Seine letzte Ausprägung im Spätbarock findet ab dem 2. Viertel des 18. Jh. als Rokokostil Verbreitung.
Ein Barockmöbel wirkt durch seine wuchtigen Proportionen und sein ihm anhaftender Repräsentationscharakter auf den Betrachter zumeist als das Hofmöbel schlechthin. Während in den ersten beiden Stilabschnitten noch die Symmetrie als Grundzug der Oberflächengestaltung vorherrscht, ist im Rokoko hingegen das Auflösen von Symmetrie und, darüber hinaus auch der Form, das auffälligste Gestaltungsmerkmal.
In der Tat waren solche Möbelstücke aus Edelhölzern bereits bei ihrer Herstellung sehr teure Luxus- und Prunkobjekte, zu deren Vorfinanzierung die ausführenden Tischler meist nicht in der Lage waren. Der Kauf, bzw. die Fertigung eines solchen Möbels wurde daher nicht selten in einzelnen Etappen an den Schreiner bezahlt. Vom Holzankauf angefangen, über die Fertigstellung der einzelnen Bauteile bis zum Firnissen und dem nachfolgenden Aufbau beim Besteller, vergingen oft viele Monate Bauzeit, in welcher die Abschlagszahlungen geleistet werden mussten.
Das Barock konnte sich in Italien und Frankreich, sowie den Niederlanden und Deutschland, ja selbst dem kunsthandwerklich stets eigenständigen England weit verbreiten. Dem Stil wurde in seiner Frühphase, während der Zeit der kath. Gegenreformation durch die kath. Kirche deutlicher Vorschub geleistet. Das Repräsentationsstreben und die Ruhmsucht, die ein barockes Möbel auszustrahlen vermag, wurde hier mit dem katholischen Anspruch deckungsgleich, alles göttliche in irdisch materieller Pracht darzustellen.
